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ON THE MICHAEL
CHEKHOV TECHNIQUE
By Ragnar Freidank (Thesis in German)
Eine Betrachtung der
SCHAUSPIELMETHODE MICHAEL TSCHECHOWS
Eine Arbeit
im Rahmen des schriftlichen Teils der Diplomprüfung
an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater
Herbst 1996
Einleitung
In meiner Arbeit, die Sie gleich lesen
werden, beschäftige ich mich mit den Forschungen des Schauspielers
und Stanislawski-Schülers Michael Tschechow.
"Wer war Michael Tschechow?"
Meine Suche beginnt mit dieser Frage. Der erste Teil der Arbeit blickt
auf Tschechows Leben, nicht so sehr, um es detailliert nachzuzeichnen,
sondern um diejenigen Momente zu finden, in denen sein Lebensweg entscheidende
Wendungen nahm in Begegnungen und Erlebnissen, die etwas über den
Menschen Tschechow verraten.
Der zweite Teil widmet sich den “Gedanken und Erfahrungen zur
Kunst des Schauspielers”, die Tschechow gegen Ende seines Lebens
in seiner Schrift: "Für den Schauspieler" als Arbeitsmethode
formuliert hat. Ziel der Betrachtung seiner Schauspielmethode ist nicht,
sie detailgetreu zu beschreiben, sondern nach den Prinzipien seiner
Arbeitsweise zu suchen.
"Die Schauspielkunst kann sich
nur entwickeln und wachsen, wenn sie auf einer objektiven Methode mit
grundlegenden Prinzipien beruht", sind Tschechows Worte. Gibt es
so etwas wie objektive Prinzipien für den Schauspieler, und lassen
sie sich in einer Methode finden? Von der Beantwortung dieser Fragen
wird abhängen, ob Michael Tschechows Forschungen über die
"Kunst des Schauspielers" heute von Bedeutung sind.
Ottawa, 5. Dezember 1996 Ragnar
Freidank
ERSTER TEIL
Das Leben
Michael Tschechows
Michael Tschechow wurde am 16. August
1891 in St. Petersburg, Rußland, geboren als der Sohn von Alexander
Pawlowitsch Tschechow, dem älteren Bruder des Schriftstellers Anton
Tschechow. Durch seine Kindheit und Jugend hindurch verband ihn eine
große ängstliche Zuneigung und Bewunderung mit seinem Vater,
den er als einen mächtigen, ungeheuer begabten, zu Wutanfällen
neigenden Menschen beschreibt.(1) Durch dessen Abhängigkeit von
Alkohol wurden diese Charakterzüge nicht gerade ausgeglichen, und
oft nahm er den jungen "Mischa" des Abends mit in sein Zimmer
auf seine "Sauftouren". In diesen Nächten geschah es,
daß der Vater begann, aus seinem unerschöpflich scheinenden
Wissen zu erzählen: über Sterne und Planeten,...über
Philosophie und die Entwicklung des menschlichen Bewußtseins.
So furchteinflößend diese Reisen durch die Menschheitsgeschichte
für den Jungen waren, faszinierten sie ihn auch und weckten seine
Phantasie. Neben einer allgemeinen Furchtsamkeit wuchs so in dem jungen
Michael Tschechow früh eine große Imaginationskraft, die
später in seiner Schauspielmethode einen großen Raum einnehmen
sollte.
Ebenso früh erwachte Tschechows
Interesse am Theater, wobei die Anfänge von Mischas Schauspielkunst
aus improvisierten tragikomischen Aufführungen vor seiner Mutter
und seinem Kindermädchen(2) in allen möglichen, wechselnden
Kostümen bestanden, bis er 1909, im Alter von 18 Jahren, seinen
Weg zu der Theaterschule von A. Suvorin(3) fand. Nach seinen ersten,
professionellen Aufführungen am Maly Theater in St. Petersburg
im darauffolgenden Jahr erhielt Tschechow im Jahre 1911 anläßlich
einer Tour des Moskauer Künstlertheaters, die durch St. Petersburg
führte, die Gelegenheit, Konstantin Stanislawski zu treffen. Nach
einem kurzen Vorsprechen nahm ihn Stanislawski mit den Worten: "Wir
fühlen uns geehrt, den Neffen Anton Pawlowitschs [Anton Tschechow
meinend] bei uns zu haben ...",(4) ins Moskauer Künstlertheater
auf.
In den nun folgenden Jahren entwickelte sich Tschechow, obwohl er zu
einem späteren Zeitpunkt seines Lebens eine sich sehr von seinem
großen Lehrer unterscheidende, eigene Schauspielmethodik entwickeln
sollte, zu einem Musterschüler in dem neu erschaffenen Schauspielsystem
Konstantin Stanislawskis. "Studieren Sie die Arbeitsweise von Michael
Tschechow. Alles, was ich lehre, finden Sie beinhaltet in seiner schauspielerischen
Individualität", waren Stanislawskis Worte an eine Gruppe
von Studenten.(5) Während seiner Zeit am Künstlertheater spielte
Michael Tschechow in zahllosen Produktionen, über die euphorische
Kritiken vorliegen, die von der "großen spirituellen Dichte
und Tiefe"(6) bis zu "gibt es da ein hysterisches Element,
eine Neurose in Tschechows Spiel?"(7) reichen. Obgleich die Arbeit
Stanislawskis einen großen Einfluß auf Tschechow ausübte,
sollte eine andere Persönlichkeit eine noch größere
Bedeutung für Michael Tschechow und dessen spätere Entwicklung
eines eigenen Schauspielsystems haben: Jewgenij Wachtangow.
Wachtangow: Lehrer, Schauspieler, Regisseur,
weigerte sich vom ersten Moment an, mit Tschechow zu arbeiten. Wohl
auf Druck von Stanislawski mußte er aber nachgeben, rächte
sich allerdings damit, daß er begann, Tschechow "den Neffen"
zu nennen (natürlich als Anspielung auf dessen berühmten und
"einflußreichen" Onkel). Gezwungen, miteinander zu arbeiten,
erfanden sie zwischen sich das Spiel des "dressierten Affen",
bei dem sie sich abwechselnd für einen Tag Herrschaft übereinander
gaben: einer war der "Affe", gezwungen auf allen Vieren den
Willen des "Herrn", der das Recht hatte, ihn zu schlagen,
zu erfüllen. Bei einer dieser Gelegenheiten meuterte der "Affe":
"Einer seiner Schläge traf mein Gesicht und schlug einen Zahn
aus [...], schließlich schaffte ich es, seinen Kopf unter meinen
Arm zu klemmen. Ich drückte zu, und er begann zu röcheln,
dann wurde er schwarz im Gesicht. Der Kampf hörte auf, und mit
ihm unsere Feindschaft."(8)
Im Folgenden entwickelte sich eine Freundschaft
und mit ihr eine enge künstlerische Zusammenarbeit. Es ist schwierig
zu sagen, ob nun Tschechow Wachtangow oder Wachtangow Tschechow beeinflußte,
auf jeden Fall entwickelten beide Gedanken zur Kunst des Theaters, die
das "System" Stanislawskis verließen und überschritten.
Wachtangow nannte seine Theorie einen "phantastischen Realismus"(9),
in dem er differenzierte zwischen der inneren "Rechtfertigung"
des auf der Bühne Gespielten in dem persönlichen Gefühlsleben
des Schauspielers (womit er sich in Übereinstimmung mit Stanislawskis
Arbeit befand), und der Art und Weise der Darstellung, von der er eine
übertriebene Spiegelung des inneren Geschehens forderte, bis hinein
ins Groteske. Somit entfernte er sich vom "Naturalismus" Stanislawskis,
welcher versuchte, das Leben "wirklichkeitsgetreu" (im Sinne
der äußeren Erscheinung) abzubilden, sowie vom Realismus,
insofern dieser sich den Ausdrucksformen des Äußeren, "Natürlichen"
bediente. Eine Theater-"Wahrheit" war Wachtangow wichtiger
geworden als eine Wahrheit dem "Leben" gegenüber.
Parallel zu diesem Theaterkonzept Wachtangows arbeitete Michael Tschechow
an seiner Methodik der Schauspiel- und Theaterarbeit, ebenfalls sehr
beschäftigt mit dem Begriff des "Phantastischen" und
der Rolle der Imagination für den Prozeß des Schauspielers.
Diese Methodik sollte Tschechow erst Jahrzehnte später schriftlich
formulieren, doch lagen die Anfänge dieser Arbeit in seiner Begegnung
mit Jewgenij Wachtangow.
In die Zeit Tschechows am Künstlertheater
fiel die Russische Revolution, die maßgebliche Veränderungen
für die künstlerische Arbeit in Rußland mit sich brachte.
Die zunehmende Politisierung und Ideologisierung des Theaters, das mehr
und mehr zum Propagandamittel umfunktioniert wurde, hatten erhebliche
Auswirkungen für das Moskauer Künstlertheater. Zu Beginn der
Revolution noch gepriesen als das "klassische Theater des Sozialistischen
Realismus", war es 1927 schärfsten Angriffen ausgesetzt. Inzwischen
war Tschechow, nach dem Tode Wachtangows im Jahre 1922, unter Stanislawski
zum artistischen Leiter des "Ersten Studios" des Künstlertheaters
geworden. Aufgabe dieses Studios war es, die "Neuen Ideen"
des Systems Stanislawskis mit jungen Schauspielern zu erproben und weiterzuentwickeln.
Aus der Natur der Künstler, die bestimmt wurden, es zu leiten (Meyerhold,
Wachtangow, dann Tschechow), ergab es sich jedoch, daß in dieser
Arbeit mehr und mehr eigene Wege beschritten wurden. Für Tschechow
bedeutete dies eine Gelegenheit, seine Gedanken zu einer neuen Arbeitsweise
im Schauspiel zum ersten Mal in Anfängen in die Praxis umsetzen
zu können.
Während durch die Verschärfung
der politischen Situation das Künstlertheater inzwischen mit "naturalistische
und impressionistische Romantik(10) der desillusionierten, russischen
Mittelklasse-Intellektuellen" betitelt wurde, verließ der
Schauspieler und Regisseur Dike mit 16 Kollegen das von Tschechow geleitete
Studio (das jetzt den Titel 2. Moskauer Künstlertheater trug) unter
der Beschuldigung, jener sei “mystisch”, ein “Idealist”.
Dieses zog eine Propagandakampagne nach sich, in deren Verlauf Tschechow
als "kranker Künstler" und seine Produktionen als "fremd
und reaktionär"(11) bezeichnet wurden. Unter zunehmender Zensur
aufgrund seiner "antisowjetischen Haltung" wußte Tschechow,
daß er schließlich entweder Rußland verlassen oder
einer sicheren Verhaftung ins Auge blicken mußte. Solange wie
möglich blieb er in Moskau, doch nach dem Hinweis eines Freundes,
der dem politischen Apparat angehörte, entkam er an dem Vorabend
seiner geplanten Verhaftung mit seiner Frau Xenia nach Berlin, Deutschland.
Nie kehrte er in sein Heimatland zurück.
Deutschland war Tschechow nicht unbekannt. Bereits in den frühen
Zwanziger Jahren hatten ihn Gastspielreisen des Moskauer Künstlertheaters
mehrmals in unser Land geführt. Auf einer dieser Reisen war es,
daß er dem Philosophen und Wissenschaftler Dr. Rudolf Steiner
begegnete, der zu jener Zeit durch eine ausgeprägte Vortragstätigkeit
auf sich aufmerksam machte, sich mit der Goetheschen Weltanschauung(12)
ausgiebig auseinandergesetzt und eine Geisteswissenschaft entwickelt
hatte, die er Anthroposophie nannte. Die Geisteshaltung Steiners, die
dem wachsenden Materialismus entgegenstand, hatte eine große Wirkung
auf Tschechow. Seine Begegnung mit der Anthroposophie beschreibt Tschechow
als: "die glücklichste Periode meines Lebens".(13) Auch
diese Begegnung mit der Person und Philosophie Steiners hatte eine große
Bedeutung für die weitere Entwicklung des Schauspielsystems Michael
Tschechows.
In Berlin erwartete Tschechow ein Kulturleben,
das dem kommerziellen Erfolg verpflichtet war, und schnell wurden seine
Pläne, dort den "Hamlet" in deutscher Sprache zu spielen,
desillusioniert. Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, ließ
er sich statt dessen von einem Agenten "kaufen", ein Vorgang,
der für ihn selbst zunächst unglaublich und empörend
war. Doch geriet er dadurch in Max Reinhardts Inszenierung von "Artisten"
(14) in Wien. Zunächst der Vorstellung, einen Clown ("Skid")
zu spielen, abgeneigt, wurde das Aufführen in dieser fremden Sprache
für Tschechow schließlich zu einer Erfahrung, die ihm den
verborgenen Charakter seines eigenen Talents vor Augen führte:
"Skids erste Worte klangen fremd
in meinen Ohren [...] Wie mühelos er spricht, überhaupt nicht
wie in den Proben. Das kommt bestimmt daher, daß ich nicht spiele.
Skid hatte gesprochen, und zum ersten Mal verstand ich wirklich den
Sinn seiner Worte, seine unerwiderte Liebe zu Bonny, seine Tragik. Müdigkeit
und Erschöpfung hatten mich zu einem Zuschauer meines eigenen Spiels
gemacht [...] Ich sah Skid, wie er auf dem Boden saß, und ich
meinte, seine Gefühle zu "sehen", seine Aufregung und
seinen Schmerz [...] Mein Bewußtsein hatte sich gespalten - ich
war in dem Publikum und in der Nähe meiner selbst und in jedem
meiner Partner [...] Mein gesamtes Wesen, und Skids, waren auf einmal
ergriffen von einer fürchterlichen, fast unaushaltbaren Kraft!
Und für diese Kraft gab es keine Grenzen - sie durchdrang alles
und vermochte alles. Ich war sprachlos." (15)
Es folgte Tschechows Rückkehr nach
Berlin, wo er als Filmschauspieler und Regisseur (u.a. mit dem jüdischen
"Habima"-Theater, das er von dessen Arbeit 1920 mit Wachtangow
in Moskau kannte) arbeitete. Im Juni 1929 kam Stanislawski nach Berlin.
Die beiden russischen Landsleute verbrachten ihre Begegnung von neun
Uhr abends bis fünf Uhr morgens in einem Café am Kurfürstendamm
und diskutierten, wie könnte es anders sein, über das "Theater".
Es zeigten sich die Unterschiede, zu denen sie in ihren Auffassungen
über die Technik des Schauspielers gelangt waren: Während
Stanislawski darauf bestand, der Schauspieler solle sein Spiel auf seine
eigenen, persönlichen Gefühle gründen und mit diesen
das Leben einer Rolle erschaffen, gestand Tschechow der Figur ein Eigenleben
in der Imagination des Schauspielers zu ; sie dort in der Phantasiewelt
zu beobachten und sich von ihr inspirieren zu lassen, sei die Aufgabe
des Schauspielers:
"Das war das Wesentliche unserer
Diskussion: die Vorherrschaft des Ego der Rollenfigur (meine Sicht)
gegenüber dem Ego des Schauspielers (Stanislawskis Sicht), - und
ich muß gestehen, daß es keinem von uns gelang, den anderen
zu überzeugen." (16)
In Berlin stieg Tschechows Popularität; doch begründete sie
sich vor allem auf seine Darstellung komischer Rollen sowie auch auf
die Exotik seiner Person als der russische Emigré, der in seiner
Heimat ein berühmter Schauspieler gewesen war. Mit seiner Arbeit
künstlerisch unbefriedigt, unternahm Tschechow den Versuch, in
Berlin ein eigenes Theater zu gründen, indem er mit emigrierten
russischen Schauspielern "Hamlet" in russischer Sprache inszenierte;
doch das Berliner Publikum war desinteressiert und das Unternehmen ein
finanzieller Flop.
Kurze Zeit danach - inzwischen schrieb
man das Jahr 1931 - erhielt Tschechow eine Einladung von Georgette Boner,
einer ehemaligen Mitarbeiterin Reinhardts, nach Paris zu kommen, um
dort mit ihr ein Theater zu gründen: die "Tschechow-Boner-Company".
In der Hoffnung, daß er in der zahlreichen russischen Emigrantenbevölkerung
von Paris die Zuschauer und Schauspieler seines Theaters finden würde,
nahm Tschechow die Einladung an. Doch erneut sollte er enttäuscht
werden: Paris wollte nur seine Rollen sehen, mit denen er in der Sowjetunion
Berühmtheit erlangt hatte. Weder die russischen Emigranten noch
das allgemeine Publikum waren an seiner gegenwärtigen, experimentellen
Arbeit interessiert. So führte das darauffolgende Jahr Tschechow
aus Paris fort, und zwar nach Riga, Lettland. In Produktionen am dortigen
Theater sprach Tschechow russisch, während die übrigen Schauspieler
auf Lettisch antworteten. Und Tschechow erhielt Gelegenheit, seinen
vielgeliebten "Hamlet" zu spielen. Auch traf er dort wieder
mit ehemaligen Kollegen des Moskauer Künstlertheaters zusammen.
Aus dieser Begegnung schließlich formten sich die "Moskauer
Kunst-Schauspieler", eine Gruppe emigrierter Schauspieler des Künstlertheaters
unter der Leitung von Michael Tschechow, und kurze Zeit später
traten die "Moskauer Kunst-Schauspieler" in der 1934/35-Saison
am Broadway auf. In New York zeigte sich das "Group Theatre",
welches eines der einflußreichsten avantgardistischen Theater
Nordamerikas werden sollte, sehr interessiert an Michael Tschechow.(17)
Nach einem öffentlichen Vortrag Tschechows allerdings kam es innerhalb
des "Group Theatre" zu einer Meinungsverschiedenheit bezüglich
dessen Ansichten, die in gewissem Maße charakteristisch war für
die spätere Entwicklung (und Spaltung) jenes Theaters: Stella Adler
war von den Ideen Tschechows fasziniert und sollte später eine
Schauspielmethode entwickeln, die stark auf der Theorie der "Physischen
Handlungen"* Stanislawskis basierte. Lee Strasberg, der Stanislawskis
Ansatz am persönlichen Gefühl des Schauspielers weiterentwickeln
sollte, was er dann "sense memory" und "emotional recall"**
nannte, schlug vor, man sollte Tschechow ruhig wieder nach Rußland
zurückschicken.(18)
Unter den Zuschauern, die Michael Tschechow
in New York spielen sahen, befand sich auch eine junge Schauspielerin
namens Beatrice Straight. Sie war auf der Suche nach einem Lehrer für
ein Theaterzentrum, das ihre Mutter und ihr Stiefvater, Mr. and Mrs.
Leonard Elmhurst aus Devonshire, England, dort auf ihrem Familiensitz
Dartington Hall gründen wollten. Seit 1925 bestand auf Dartington
Hall durch die Exzentrik der Hausdame eine Art utopisches Experiment,
indem sie Schulen, Landwirtschaft und Tanz auf ihrem Familiensitz ansiedelte.(19)
Ihre Tochter, Beatrice Straight, war, nachdem sie Tschechows Spiel gesehen
hatte, überzeugt, den gesuchten Lehrer für das Theaterprojekt
auf Dartington Hall gefunden zu haben. So unterbreitete sie Tschechow
den Vorschlag, nach England zu kommen und dort die Leitung jener Theaterschule
zu übernehmen - eine Idee, die diesen sofort begeisterte; erfreut
nahm Tschechow an.
Im Oktober 1936 eröffnete auf Dartington
Hall "The Chekhov Theatre Studio", und zum ersten Mal seit
dem Verlassen Rußlands konnte sich Tschechow wieder der Erprobung
und weiteren Entwicklung seiner Schauspielmethode widmen.(20) Mit zwanzig
Studenten aus neun verschiedenen Ländern begann die Ausbildungsarbeit,
deren ultimatives Ziel es war, ein Ensemble von Schauspielern zu schaffen,
das als Tourneetheater aus jener neuen Arbeitsweise Tschechows heraus
aufführen würde.(21)
_______________________________________________________________________________
* eine Anmerkung zu den "Physischen Handlungen":
Hierbei handelt es sich um eine Theorie, die Stanislawski gegen Ende
seines Lebens formulierte - vielleicht aus dem Einfluß Tschechows
heraus? -, und in der er die Charakterisierung einer Figur nicht so
sehr - wie zuvor - auf dem Gefühlsleben des Schauspielers basierte,
sondern auf dessen physischen Handlungen;
**... und eine Anmerkung zu den erwähnten
Arbeitsweisen Strasbergs:
Beides sind von Strasberg erfundene "Techniken", die von Stanislawski
geforderten "persönlichen Gefühle" als Schauspieler
herstellen zu können, wobei in "sense memory" das Erinnerungsvermögen
des Körpers genutzt wird, um den Schauspieler in die "Realität"
einer von ihm in seiner Vergangenheit erlebten Erfahrung zurückzuversetzen
und somit die damaligen authentischen Gefühle in ihm wieder hervorzurufen,
was dann "emotional recall" genannt wird.
Bevor dieses Ziel realisiert werden konnte, brach der Zweite Weltkrieg
aus; viele der Schauspieler wurden in die Armee einberufen und die Schauspielarbeit
auf Dartington Hall schließlich unterbrochen. Um die Arbeit trotz
des Krieges fortzusetzen, kauften die Elmhursts ein großzügiges
Stück Land in den Vereinigten Staaten, 55 Meilen entfernt von New
York: 1939 zog "The Chekhov Theatre Studio" um nach Ridgefield,
Connecticut.(22) Mit diesem Umzug änderten sich die Prämissen,
unter denen Tschechow sein Studio leiten konnte. Während es in
England die Atmosphäre auf Dartington Hall gestattet hatte, daß
alle Arbeit frei von finanziellen und Produktionszwängen stattfinden
konnte, herrschte in den USA eine wirtschaftliche Stimmung, so daß
alle Ausbildungsarbeit von nun an pragmatisch in den Dienst einer Produktion
gestellt wurde. Bereits wenige Monate später eröffnete "The
Chekhov Theatre Studio" mit einer ersten Produktion auf dem Broadway,
NY. Die Kritiken(23) fielen sehr unvorteilhaft aus, und es zeigte sich,
daß es verfrüht gewesen war, aus der Arbeit mit Tschechows
neuer Methode heraus eine Produktion so großen Ausmaßes
zu präsentieren.
In den folgenden drei Jahren entwickelte
sich "The Chekhov Theatre Studio", Ridgefield, zu jenem Tourneetheater,
das es einst in Dartington Hall hatte werden sollen. Nach dem Unterrichten
hatte Tschechow durch die ständigen Aufführungen des Theaters
Gelegenheit, die Arbeitsweise mit seinem neuen Schauspielsystem klarer
zu formulieren. Die Arbeit des "Studios" hielt bis 1942 an;
der Kriegseintritt der USA jedoch führte - wie zuvor in England
- zu dessen Auflösung.
Der nächste Umzug brachte Tschechow
nach Hollywood. Hier schien ihm der geeignete Ort zu sein, zu unterrichten
und zu spielen, sowie an einem Buch über die Technik des Schauspielers
zu arbeiten. Seit langem hatte Tschechow die persönliche Verpflichtung
gefühlt, seine Gedanken und Beobachtungen über die Kunst des
Schauspielers schriftlich festzuhalten; Hollywood sollte ihm dazu Gelegenheit
geben. Während es ihm in der blühenden Filmindustrie leicht
fiel, Arbeit zu finden, die ihn allerdings künstlerisch nicht sonderlich
befriedigte ("ich spiele gerade wieder so einen süßen,
kleinen, alten Mann")(24), gab er nebenbei Filmschauspielern Privatstunden
und hielt Vorträge. Unter seinen Studenten befanden sich zahlreiche
Schauspieler, die im Laufe der Zeit zu Ruhm gelangten: Ingrid Bergmann,
Gregory Peck, Yul Brunner, Marilyn Monroe, Anthony Quinn ...,(25) wobei
der Einfluß Tschechows auf das Spiel der genannten sicher stark
variierte.
Nachdem er eine erste Fassung seines
Buches vollendet hatte, sah sich Tschechow gezwungen, es umzuschreiben.
Da es viele Bezüge auf die Philosophie Steiners und die Weltanschauung
der Anthroposophie enthalten hatte, wurde ihm von den Verlagen bedeutet,
daß es zu sehr mystischen Inhaltes sei (eine Formulierung, die
ihm in seinem Leben schon begegnet war), um sich verkaufen zu lassen.
Daraufhin schrieb Tschechow eine Neufassung in seiner Muttersprache,
"O texnike aktera", die er auf eigene Kosten verlegen ließ
und an russische Freunde in den Vereinigten Staaten vergab sowie durch
Besucher in die Sowjetunion bringen ließ. Später übersetzte
er diese Ausgabe ins Englische, blieb mit dem Resultat jedoch unzufrieden.
Schließlich wurde sein Buch, nach erneuter Bearbeitung durch einen
Verleger, von Harper & Row 1953 als "To the Actor" herausgegeben.
Bald nach Herausgabe des Buches erlitt
Michael Tschechow einen Herzanfall; es war dies der dritte in seinem
Leben. Nach diesem gab er seine Schauspielarbeit auf, doch unterrichtete
noch zwei Jahre.
Michael Alexandrowitsch Tschechow starb
1955 im Alter von vierundsechzig Jahren und wurde von seiner Frau Xenia,
die ihn treu auf allen Wegen begleitet hatte, um viele Jahre überlebt.
ZWEITER
TEIL
Die Schauspielmethode Michael
Tschechows
Beschäftigt man sich mit Theorien, Methoden oder Systemen, mag
es die Gefahr geben, daß man sie als abgeschlossenes Weltbild
auffaßt. "Die Theorie an und für sich", sagt Goethe,
"ist nichts nütze, als insofern sie uns an den Zusammenhang
der Erscheinungen glauben macht."(1) An erster Stelle des Lebens
und der Kunst steht die Erfahrung.
Michael Tschechow hat große Teile
seines Lebens damit verbracht, von den Erfahrungen seines eigenen Spiels
und den Beobachtungen anderer Schauspieler ausgehend, Gesetzmäßigkeiten
für die Kunst des Schauspielers zu suchen. Seine Ergebnisse hat
er in dem Buch "Für den Schauspieler" (To the Actor)
niedergeschrieben. Heute ist dieses Buch Theorie. Doch den eigenen Erfahrungen
zu folgen in der Art wie Tschechow es getan hat, ist immer möglich.
Meine Reise durch seine Schrift will ich hier als eine solche Erfahrung
auffassen.
Jedem Leser bleibt es überlassen,
seine eigenen Erfahrungen mit den Beschreibungen Tschechows zu verbinden.
Michael Tschechows TO THE ACTOR
Körper und Seele (Psyche) des Schauspielers(2)
Wenn man einmal sich selbst beobachtet, wird man feststellen können,
daß es zwei zusammenhängende Erscheinungen gibt: das eigene
innere "Empfinden" und den eigenen äußeren "Ausdruck".
In diesem Sinne befinden sich das eigene innere Erleben und der eigene
Körper in einer Wechselbeziehung, die ohne Zutun der eigenen Person
existiert. Die vollständige Harmonie zwischen beiden bedeutete
einen Idealzustand. Im alltäglichen, modernen Leben gibt es dieses
Ideal nahezu nie. Die Gründe hierfür sollen hier nicht erörtert
werden; es soll genügen zu sagen, daß der Mensch ihn zugunsten
eines gesellschaftlichen Verhaltens verlassen oder verloren hat. Das
Ideal hieße: Alles, was der Mensch im Inneren erlebt, drückt
sich ohne Verfälschung in seinem Körper aus. Diesen Idealzustand
sucht Tschechow für den Schauspieler zu schaffen. Die Gründe
für einen solchen Versuch sind leicht einzusehen; zunächst
befähigte eine solche Balance jeden Schauspieler, seine Rolle bis
in die Tiefe, in der er fähig ist, sie zu empfinden, auch auszudrücken
(bzw. sie sich ausdrücken zu lassen), und zudem führte es
den Schauspieler zu dem Begriff der Wahrheit.
In der Arbeit mit Stanislawski und durch
die ihn umgebende Theaterästhetik des Naturalismus war Tschechow
ständig mit dem Begriff der "Wahrhaftigkeit" konfrontiert
- und mit dessen Problematik. Sowohl die Gedankenrichtung des Naturalismus
als auch Stanislawskis "Technik" in bezug auf den Schauspieler
verstehen unter "wahr" etwas, was man mit "getreu dem
natürlichen Leben abgebildet" bezeichnen kann. Während
dies für den äußeren Stil des Naturalismus zu einer
photographischen Abbildung des Lebens auf der Bühne führte,
waren die Auswirkungen dieser Gedanken auf Stanislawskis Entwicklung
einer psychischen Technik des Schauspielers noch tiefgreifender: Da
die Darstellung innerer Vorgänge auf der Bühne definiert wurde
als getreues Abbild der alltäglichen Gefühle des Schauspielers,
wurde gerade die oben erwähnte Unausgewogenheit zwischen innerem
Leben und körperlichem Ausdruck zur Wahrheit erhoben.
Für Tschechow bedeutete dieser
Schritt das Verlassen des Gebietes der Kunst, als deren Aufgabe er gerade
das Enthüllen des im gewöhnlichen Leben Verborgenen ansah,
nicht die bloße Abbildung des ersteren. Zudem sah er für
den Schauspieler die Gefahr, sich durch eine solche Arbeitsweise immer
mehr vom eigenen Talent zu entfernen, da an die Stelle des künstlerischen
Schauspielers die nur aus sich selbst schöpfende, eigentlich unkreative
Alltagspersönlichkeit desselben trat. Die Grenze zwischen Bühne
und Leben schien Tschechow im Auflösen begriffen und mit ihr die
Unterscheidung zweier wesentlich differierender Gefühle, die Tschechow
die persönlichen und die künstlerischen nennt; wir werden
dies in einem späteren Kapitel genauer betrachten. Zunächst
ist festzuhalten, daß Tschechow den Begriff der "Wahrheit"
also nicht an der Äußerlichkeit eines Naturalismus oder einer
"alltagsgetreuen" Psychologie mißt sondern an dem Verhältnis
des Ausdrucks eines Schauspielers zu seinem inneren Leben (womit zunächst
über die Form, die dieser Ausdruck annimmt, noch nichts gesagt
ist). Nach dieser Ansicht wird ein Schauspieler umso wahrhaftiger, je
mehr es ihm möglich ist, seine innersten künstlerischen Gefühle
und Impulse ohne Verfälschung durch sich selbst in Erscheinung
treten zu lassen.
Mit jener Wechselwirkung zwischen Körper
und Psyche des Menschen arbeitet Tschechow in dreifacher Weise. Ziel
der ersten ist dabei, eine "extreme Sensibilität des Körpers
auf psychische, kreative Impulse zu entwickeln". Die Arbeitsweise
Tschechows in bezug auf dieses Ziel folgt dem Prinzip, daß, um
eine verfeinerte Empfindsamkeit des Körpers gegenüber subtilsten
Regungen des inneren Lebens des Schauspielers auszubilden, diesbezügliche
Übungen auf der Wechselwirkung beider genannten Sphären beruhen
müssen. Die Psyche muß teilhaben an der Bewegung. In diesem
Sinne sind rein physische Übungen wie Fechten, Akrobatik und sonstige
traditionelle Schauspielerdisziplinen für dieses Ziel ungeeignet.
Alle Übungen, die Tschechow zu diesem Zwecke erfindet, zielen auf
die Durchdringung des Körpers mit psychischen "Qualitäten",
und für den Schauspieler kann sich aus ihnen zweierlei ergeben:
Zum einen die Befreiung des Körpers aus der alltäglichen Befangenheit,
zum anderen das Entdecken eines Gefühlslebens aus der Bewegung.
Charakteristisch für die von Tschechow vorgeschlagenen Übungen
ist, daß sie eine psychische Komponente enthalten, die sich leicht
in Bewegung umsetzen läßt.
Ein Beispiel:
Tschechow will mit der psychischen Haltung von Leichtigkeit und Mühelosigkeit
arbeiten. Damit im Schauspieler eine solche Haltung als innere Realität
entstehen kann, läßt Tschechow ihn seinen Anfang mit einer
einfachen physischen Bewegung nehmen. Der Art und Weise dieser Bewegung
gibt er eine äußerliche Charakterisierung, die er eine “Qualität”
nennt, in unserem Falle die von "flying" - "fliegend".
Dem Schauspieler steht es frei, welche Form seine Bewegung annimmt,
dem Ziel der Übung hilft es, wenn er sich frei, weit und raumgreifend
bewegt. Richtet er seine Aufmerksamkeit auf das Empfinden dieser Qualität
in seinem eigenen nunmehr “fliegenden”, leichten, mühelosen
Körper, so findet diese Empfindung ohne Zutun des Schauspielers
ihren Weg in sein Gefühl: seine Seele wird ihm leicht.
Tschechows Übungen bilden nicht ein abgeschlossenes System, vielmehr
liegt das Wesentliche in dem Prinzip seiner Arbeitsweise, und dem Schauspieler
bleibt es überlassen, in die unzähligen seelischen Qualitäten
des Menschen in dieser Weise einzudringen und sich von ihnen bereichern
zu lassen.
Die zweite Weise, auf die Tschechow,
ausgehend von der Verbundenheit von Körper und Psyche, arbeitet,
besteht in der Hinwendung auf das innere Leben selbst. "Ein empfindsamer
Körper und eine reiche, farbige Psyche ergänzen sich gegenseitig
und erzeugen Harmonie ...". Tschechow lenkt zu diesem Zwecke die
Aufmerksamkeit des Schauspielers auf das Phänomen der Anteilnahme,
und er läßt ihn die Welt um sich herum beobachten mit dem
Vorschlag, das eigene "Interesse" immer mehr anwachsen zu
lassen. Wichtig ist ihm hierbei, Interesse nicht nur da zu suchen, wo
man es natürlicherweise empfindet, sondern gerade in fremden, ungewohnten
und abstoßenden Dingen. Der innere Prozeß, der diesem Versuch
folgen wird, besteht darin, daß, um in Erscheinungen äußerer
und seelischer Art außerhalb seiner selbst einzudringen, der Schauspieler
seine eigenen Standpunkte und Meinungen einer Sache gegenüber naturgemäß
wird verlassen müssen. Solange er eine ihm zutiefst unsympathische
Erscheinung aus seinem Blickwinkel betrachtet, wird ihm alles Betrachten
nur größere Beweise für die Rechtfertigung seiner Empfindung
liefern. Tschechows Versuch hingegen zielt darauf hin, Interesse in
sich zu erwecken dadurch, daß man die Erscheinung an sich sprechen
läßt.
Ohne sich in eine ihm fremde Psyche
hineinversetzen zu können, indem er seine eigene aus Gedanken und
Prinzipien gebildete Identität für einen kurzen Augenblick
verläßt, wird der Schauspieler nicht fähig sein, anderes
zu portraitieren als sich selbst. Interesse in sich selbst zu erwecken,
führt den Schauspieler hinaus über die ihm innewohnende Reaktion
von Sympathie oder Antipathie zu einem Mitgefühl; dieses Mitgefühl
ist für Tschechow, wie man in einem späteren Kapitel sehen
wird, Quelle aller "kreativen Gefühle" auf der Bühne.
Als Beispiele, die der Beobachtung des Schauspielers dienen können,
nennt Tschechow u.a. geschichtliche Begebenheiten, verschiedene, fremde
Nationen, unsympathische Zeitgenossen, ..., schließlich mit dem
Ziel, auf der Bühne in der eigenen Rolle "jene feinen aber
flüchtigen Eigenschaften, die niemand außer dem Schauspieler
zu finden vermag, zu entdecken und als Folge dem Zuschauer zu enthüllen".
Im Zusammenhang zwischen Ausdruck und
innerem Erleben wählt Tschechow, um letzteres zu charakterisieren,
im Englischen den Begriff "psychology". An dieser Stelle ist
es nötig, diesen Begriff etwas genauer zu untersuchen. Richtet
man seinen Blick auf das eigene innere Leben: was ist es, was sich dort
vorfinden läßt? Die Fähigkeit, eine solche Frage zu
stellen, ist Anzeichen für das Vorhandensein eines Bestandteiles
dieser inneren Welt: des Gedankens. Es führte zu weit, sich an
dieser Stelle in eine erschöpfende Betrachtung des Denkens zu versenken(3),
doch gilt es für's erste festzuhalten, daß es im Inneren
des Menschen eine Tätigkeit gibt, die uns durch innere Bilder und
gefaßte Begriffe und deren Verbindung in Erscheinung tritt: das
Denken.
Was dem Menschen im eigenen Innern noch
begegnen kann, ist eine Welt des Gefühls; es begegnen ihm zahllose
Empfindungen, die er als Teil seiner selbst erfährt, ohne daß
er notwendigerweise ihre Ursache wissen muß. Mit seinem Gefühl
antwortet er auf alles mögliche, auf Erlebnisse, Eindrücke,
Vorstellungen und Bilder... .
Ein Drittes kann man in dieser inneren
Welt bezeichnen; es ist die Kraft des Antriebs. Auch wenn sie die Form
von Gefühlen oder Gedanken annimmt, ist es bei genauerer Betrachtung
doch möglich, sie als eigenständigen Teil des inneren oder
seelischen Erlebens zu beschreiben; denn sowohl durch die Welt der Gedanken
als auch durch die des Gefühls entsteht im Menschen zunächst
keine Notwendigkeit zu handeln. Dieser im Innern des Menschen vorhandene
Drang zur Tat kann man den Willen nennen.
Ob der Begriff “psychology”,
mit “Psyche” oder “Seele” ins Deutsche übersetzt,
mit der Unterscheidung in die drei erwähnten inneren Welten vollständig
erfaßt ist, sei dahingestellt. Doch wird diese erfolgte Differenzierung
im weiteren Verfolgen von Michael Tschechows Schauspielmethode von Nutzen
sein; sie soll Licht werfen auf die dritte Weise, auf die Tschechow
mit der psychisch/physischen Wechselbeziehung im Menschen arbeitet,
als deren Ziel er den "völligen Gehorsam von beidem, Körper
und Seele, unter die Herrschaft des Schauspielers" setzt. Das Verfolgen
eines solchen Zieles führt nun zunächst zu der Frage, wie
ein Mensch über etwas herrschen kann, aus dem er doch besteht,
oder anders gefragt: Ist der Schauspieler nicht sein Wille, sein Körper,
seine Gefühle und Gedanken?
Die schöpferische Individualität(4)
"Im alltäglichen Leben", mein Michael Tschechow, "identifizieren
wir uns mit uns selbst als "ich"; ich wünsche, ich fühle,
ich denke." Wenn man dieses Ich genauer betrachtet: Was ist es
eigentlich, was ein Mensch bezeichnet, wenn er sagt: ich? Eine erstaunliche
Besonderheit dieses Wortes wird deutlich, wenn man seine Aufmerksamkeit
darauf lenkt, daß niemand außer dem jeweiligen Menschen
selber es mit Sinn verwenden kann. Während andere Worte Phänomene
beschreiben in dem Sinne, daß sie auf verschiedene Erscheinungen
anwendbar sind (Baum, Pferd, grün, du, ...), bezeichnet ich immer
nur den Sprechenden selbst.(5) Es entstammt und bezeichnet gleichzeitig
die Fähigkeit des Menschen, sich von der ihn umgebenden Welt getrennt
zu erleben. Betrachtet man das Ich als solches, erscheint es zunächst
frei von Inhalt in dem Sinne, daß es nichts enthält außer
dem Bewußtsein: zu sein. Seinen Inhalt erhält es damit, daß
ich mich fortlaufend mit den mich umgebenden Phänomenen verbinde,
d.h. identifiziere, als mein Körper, meine Gedanken, mein inneres
und äußeres Leben. Diesen Inhalt kann man die "Alltagspersönlichkeit"
eines Menschen nennen; in ihr ist der Schauspieler sein Körper,
sein Wille, seine Gedanken und Gefühle. So mit sich selbst identifiziert,
kann sich durch ihn nur ausdrücken, was in ihm ist: seine eigene
Persönlichkeit. Diese nennt Tschechow unser aller "unkünstlerische,
unkreative Existenz".
Für die Kunst des Schauspielers,
dessen Eigenart es ist, Menschen darzustellen, die nicht mit ihm persönlich
identisch sind, sieht Tschechow die Quelle in einer tieferen Schicht
des menschlichen Wesens, in etwas, das in seiner Form nicht festgelegt
ist sondern wandelbar, das das Wesen von Erlebnissen, Gefühlen,
Gedanken usw. kennt, aber von diesen nicht bestimmt wird; dieses etwas
ist sein "Ich". Michael Tschechow nennt es die "schöpferische
Individualität" des Menschen. In inspirierten Momenten identifiziert
sich die schöpferische Individualität mit dem unwirklichen
Dasein der Figur und weint und lacht mit ihr; wenngleich der Schauspieler
auch nicht vergißt, wer er im wirklichen Leben ist, wird er nun
Zuschauer seines eigenen Spiels: "Alles, was Sie jetzt auf der
Bühne tun, erstaunt Sie ebensosehr wie Ihr Publikum; alles erscheint
völlig neu und unerwartet. Ihnen ist, als geschähe alles spontan
und als täten Sie nichts denn Mittel des Ausdrucks zu sein."
Der "völlige Gehorsam von
Körper und Seele unter die Herrschaft des Schauspielers",
wie er am Ende des vorherigen Kapitels formuliert ist, wird vor dem
Hintergrund der "schöpferischen Individualität"
verständlich; in inspirierten Momenten tritt eine Veränderung
ein im Erleben des Schauspielers, sein Alltagsbewußtsein tritt
zurück und sein Körper und seine Psyche werden zum "Material"
seiner schöpferischen Individualität, die es "von innen
heraus zu formen beginnt; sie ergreift Ihren Körper und macht ihn
beweglich, empfindsam und empfänglich für jeden kreativen
Impuls; sie spricht mit Ihrer Stimme, bewegt Ihre Vorstellungskraft
[...] und gewährt Ihnen wahrhaftige Gefühle, [...] erweckt
und bewahrt Ihre Fähigkeit zu improvisieren, kurz: sie versetzt
Sie in eine schöpferische Lage".
In der Entwicklung seiner Schauspieltechnik
geht es Michael Tschechow darum, Arbeitsweisen zu finden, die jener
kreativen Individualität im Menschen dienen. Während der Zeit,
in der ein Schauspieler völlig mit seinem alltäglichen Leben
iden-tifiziert ist, bleibt ihm die Existenz seines kreativen Ichs unbewußt,
auch wenn er sie vielleicht von glücklichen Momenten auf der Bühne
erinnert. Das Alltags-Ich ist alles, was er wahrnehmen kann.
Im Unterschied zu Stanislawskis und
insbesondere Lee Strasbergs Arbeit gründet Tschechow seine Schauspieltechnik
nicht auf die alltägliche Persönlichkeit und Biographie des
Schauspielers. Für Tschechow sind diese Welten getrennte: die der
persönlichen, egoistischen Erlebnisse, Gefühle, Gedanken usw.
und die der künstlerischen Erfahrung. So richtet sich seine gesamte
Methode auf die Welt des künstlerischen Erlebens und Gestaltens;
Tschechow hat Wege gesucht, die den Schauspieler weg von sich selbst
und hin zur eigenen Individualität führen, die allein schöpferisch
ist. In seiner Arbeitsweise bedient er sich dessen, was dem Menschen
universell gegeben ist: seines Körpers; genauer gesagt: Tschechow
arbeitet mit der im ersten Kapitel beschriebenen Wechselwirkung zwischen
sinnlichem (physischem) und innerem (psychischem) Erleben im Menschen.
So, wie für den Schauspieler in inspirierten Momenten sein Alltagsempfinden
zurücktritt und dem künstlerischen Erleben Platz macht, kann
auch eine künstlerische Empfindung im Schauspieler die Inspiration
wecken und mit dieser seine schöpferische Individualität.
Um das Außergewöhnliche seiner
Arbeitsweise ganz zu fassen, ist es nötig, sich den Unterschied
zu vergegenwärtigen, den Tschechow zwischen rein persönlichem
und rein künstlerischem Erleben zieht: "Die gewöhnlichen,
alltäglichen Gefühle sind [...] durchdrungen von Egoismus,
beschränkt auf den persönlichen Nutzen, gehemmt, unbedeutend
und zumeist sogar unästhetisch und durch Unwahrheiten verdorben."
Diese wenig schmeichelhafte Charakterisierung unseres Gefühlslebens
weist darauf hin, wie ich die Welt um mich herum in bezug auf mich erlebe:
alles im Hinblick darauf, was es für mich bedeutet, ob es mir schadet
oder nützt ... Und all mein Gefühl kann in diesem Sinne dem
Zuschauer lediglich etwas verraten über mich. Von diesem persönlichen
Gefühlsleben sieht Tschechow keinen Weg hin zur künstlerischen
Inspiration; er formuliert im Gegenteil: "Reale Gefühle schließen
Inspiration aus und umgekehrt." Was nennt Tschechow im Gegensatz
zum eben Gesagten ein "künstlerisches Gefühl"?
Allem Persönlichen liegt ein Wesentliches zugrunde; so beinhaltet
die ganz persönliche Traurigkeit von allen Menschen das Wesen der
menschlichen Trauer. Das Wesentliche eines Gefühls ist dasjenige,
was alle einzelnen, menschlichen Erlebnisse dieses Gefühls verbindet,
da es allen gemein ist. Dieses Wesen eines Gefühls an sich ist,
so gesehen, "unpersönlich" oder anders gesagt: vom Persönlichen
befreit. Ein solches Gefühl ist nach Tschechow künstlerisch.
Dem Schauspieler begegnen in der Inspiration
künstlerische Gefühle durch den Charakter, den er spielt,
wodurch eine weitere Eigenschaft derselben anschaulich wird: "Sie
sind genauso «unwirklich» wie die «Seele» des
Charakters selbst." Das heißt, ihre Existenz im Empfinden
des Schauspielers ist gebunden an die Existenz des Charakters in dessen
Phantasie. Verläßt der Schauspieler seine Rolle, verschwinden
mit ihr diese Gefühle; wäre dies nicht der Fall, "würden
diese Gefühle für immer die Ihren werden, Ihnen nach der Aufführung
unauslöschlich eingeprägt; sie würden Teil Ihres alltäglichen
Lebens werden, von Egoismus vergiftet und Teil Ihrer unkünstlerischen,
unkreativen Existenz. Sie wären nicht mehr länger fähig,
die Grenze zu ziehen zwischen dem unwirklichen Leben des Charakters
und Ihrem eigenen, wirklichen."
Die Grenze zwischen dem Leben der Bühnenfigur
und dem alltäglichen Dasein des Schauspielers weist auf eine letzte
Eigenart des künstlerischen Gefühls. Diese Grenze besteht
genauso wie die zwischen zwei "wirklichen" Menschen. Einem
anderen Menschen gegenüber verrät mir mein Gefühl nur,
was ich über ihn empfinde, ob ich ihn beispielsweise mag oder nicht;
gleiches gilt im Prinzip gegenüber einer Bühnenfigur. Spielt
der Schauspieler inspiriert seine Figur, dann fühlt er nicht länger
über sie sondern mit ihr; statt zu urteilen, hat er Mitgefühl.
Mitgefühl als letzte Qualität des künstlerischen Empfindens
ist für Tschechow wirklich das Wesentliche aller wahren Kunst;
"denn es allein kann Ihnen sagen, was andere Wesen fühlen
oder erleben. Einzig Mitgefühl löst Sie aus der Befangenheit
Ihrer eigenen Begrenzung und gibt Ihnen einen tiefen Zugang zu der Bühnenfigur,
an der Sie arbeiten."
Das, was Michael Tschechow mit künstlerischem
Erleben meint, haben wir eben am Beispiel des Empfindens betrachtet.
Das Gefühlsleben ist jedoch nur ein Teil des inneren Erlebens im
Menschen. Und wie die Inspiration im Schauspieler sein gesamtes inneres
Leben ergreift, kann auch von jedem Aspekt desselben die Inspiration
gesucht werden. So kann man in Tschechows Schauspielmethode im folgenden
drei Arbeitsweisen sehen, die sich auf das Seelische beziehen; es handelt
sich um die Arbeit mit dem Denken, dem Fühlen und dem Wollen des
Menschen.
Vorstellungen und ihre Verkörperung(6)
In unserer Vorstellung "flackern hie und da Bilder auf, die uns
völlig unbekannt sind, [...] sie erscheinen, verschwinden, um wieder
aufzutauchen und neue, fremde Erscheinungen mitzubringen. [...] Sie
erscheinen aus dem Nichts und ohne Einladung und führen ihr eigenes
Leben voller Emotionen...", so beschreibt Tschechow die Phantasie.
Ihr begegnet der Schauspieler in seinen Gedanken.
Was ist Denken? Oftmals ist mit diesem
Wort gemeint, daß man einen Gegenstand oder eine Erscheinung "analysiert",
d.h., man zerlegt ihn in seine Einzelbestandteile, um Erkenntnisse über
seine Natur oder sein Funktionieren zu erlangen. Für Bereiche der
Naturwissenschaft ist dieses analytische Vorgehen sinnvoll. Es kann
nicht automatisch auf andere Gebiete übertragen werden. Würde
beispielsweise der Schauspieler seine Figur analysieren, um sie genauer
zu studieren, was wäre gewonnen? Äußerlich würde
es den Anschein einer "wissenschaftlichen Arbeitsweise" geben,
doch kennt der Schauspieler seine Figur hinterher besser als vorher?
In der Analyse findet er Erklärungen mechanischer Art, wie: "Sir
Mordred in Tankred Dorsts Stück MERLIN wird zu seinen schlechten
Taten getrieben, weil er so gar keine Liebe von seiner Mutter, Morgause,
erhält"...; doch hat diese Erklärung eine Auswirkung
auf den Schauspieler? Nein. Sein Intellekt hat eine Information gewonnen,
die, auch wenn sie korrekt sein sollte, ihn selbst völlig kalt
läßt; denn in diesem Fall hat ihm sein Denken die bloße
Abstraktion einer Wirklichkeit gegeben, anstelle der Wirklichkeit selber.
Natürlich ist die Wirklichkeit des Theaters in Wahrheit eine Scheinwirklichkeit;
aber sie handelt doch von Menschen und deren Leben; und beides läßt
sich durch Analyse im Denken nicht erfassen.
Jeder Gegenstand einer Beobachtung erfordert
die ihm entsprechende Art des Denkens, wenn man mehr Wissen über
ihn erlangen will. Beobachtet man den Menschen und das Leben selber,
können mechanische Konzepte von keinerlei Nutzen sein. Ein Denken,
das etwas Lebendiges verstehen will, muß seiner Natur nach ebenso
lebendig sein. Und ein Denken, das dem Schauspieler in seiner Arbeit
hilft, darf ihn nicht kalt lassen in bezug darauf, worüber er denkt,
sondern muß ihn ergreifen und zum Spielen bringen. Ein solches
Denken ist die Phantasie. Gelänge es dem Schauspieler, mit seiner
Phantasie methodisch zu arbeiten, wäre er auf dem Weg, eine wissenschaftliche
Arbeitsweise zu finden, die seinen eigenen Bedürfnissen hilft.
Diesen Weg hat Tschechow gesucht.
Das erste Prinzip, dem er hierbei folgt,
ist, daß alle Vorstellungen, Bilder und Erscheinungen in der Phantasie
des Schauspielers ein Eigenleben führen, das von seinem Bewußtsein
wahrgenommen, aber nicht verursacht ist. Die Ursache all der Bilder,
die er sieht, liegt in den Tiefen seines eigenen Wesens, über die
er wenig weiß, aber auch nichts notwendigerweise zu wissen braucht.
Die Bilder sind da. Als erstes geht es darum, sie einfach nur wahrzunehmen.
Das zweite Prinzip besteht darin, daß
alle Vorstellungen zwar originell sind, aber noch nicht von sich aus
die Form haben, die die Fragen des Schauspielers beantworten, so daß
er seine Aufmerksamkeit darauf richten muß, sich von ihnen bestimmte
Visionen zeigen zu lassen: "Zeig mir, Malvolio: wie würdest
du durch das Gartentor kommen und mit einem Lächeln dich in Richtung
deiner «süßen Herrin» bewegen?"
Das dritte ist schließlich, daß
der Schauspieler in seiner Phantasie die eigene Figur solange sich wandeln
läßt, bis sie ihn nicht mehr kalt läßt und er
beginnt, mit ihr zu fühlen. Je lebendiger seine Vorstellungen in
ihm werden, desto größer wird sein Verlangen werden, die
inneren Figuren auszudrücken. Wird es plötzlich unbändig,
setzt sich der Schauspieler über seine alltäglichen Schranken
hinweg und beginnt zu spielen. Man kann verkünden: Er ist inspiriert!
Die Phantasie, die den Schauspieler inspiriert, nennt Tschechow eine
schöpferische.
Alle Vorstellungen und Bilder tauchen
für das Bewußtsein wie aus dem Nichts auf, doch "wie
neu und unerwartet auch immer Ihre Vorstellungen Ihnen sein mögen,
sind sie doch, alles in allem, Ihre eigene Schöpfung; die Erfahrungen
Ihrer phantastischen Figuren sind Ihre eigenen." Dies weist auf
ein viertes Prinzip, das Bedeutung hat für Tschechows Arbeit mit
der schöpferischen Vorstellungkraft des Schauspielers: Während
bei der Beobachtung von wirklichen Menschen dem Schauspieler, so einfühlsam
er auch sein mag, das innere Leben des anderen Menschen immer letzten
Endes unbekannt bleiben muß, liegt für ihn in seiner Vorstellungswelt
das innere Leben der Gestalten, die ihm dort begegnen, offen dar. Unmittelbar
erlebt er, was seine Phantasiegestalten erleben. Berührt ihn seine
eigene Vorstellung, so ist sein eigenes Gefühl auf künstlerische
Weise erwacht.
In seiner schöpferischen Phantasie
findet der Schauspieler den Weg zu "seiner eigenen, individuellen
und daher immer einzigartigen Interpretation seiner Rolle", die
Ausdruck ist seiner wahren, “kreativen Individualität”.
Das bedeutet für Michael Tschechow das "tief verborgene und
heutzutage fast gänzlich vergessene Verlangen jedes wahren Schauspielers:
sich selbst auszudrücken durch das Mittel seiner Rollen...".
Atmosphäre (Stimmung) und
individuelles Gefühl(7)
"Ein einzelner Mensch kann, wenn
er will, eine Weile in seinem privaten Leben ohne Gefühle auskommen,
doch die Kunst, und im Besonderen das Theater, werden sich allmählich
dem Tod nähern ...", wenn etwas in ihm aufhört zu existieren,
und dieses etwas nennt Tschechow: die Atmosphäre oder die Stimmung.
Alles, was wir beobachten, hat zwei
Wirklichkeiten: die sichtbare und die unsichtbare. Wie wir das Sichtbare
verstehen, fühlen wir das Unsichtbare. Blickt man beispielsweise
auf eine äußere Handlung, kann diese in ihrer Erscheinung
unzählige Dinge bedeuten, und, unseren Augen trauend, können
wir sie nur in ihrer Äußerlichkeit erfassen. Zur Wirklichkeit
der Erscheinung gehört jedoch noch ein zweites: das ihr innewohnende
Verborgene, über das ich nur wissen kann, wenn ich es fühle.
Gleiches gilt für das Theater:
"Stellen Sie sich Romeo vor, wie
er seine wunderschönen Worte der Liebe zu Julia spricht ...",
was nähmen wir wahr, wenn das Unsichtbare sich unserer Empfindung
verschlösse? Es blieben die Worte "Shakespeares unvergleichlicher
Dichtung" doch entleert von dem, was ihnen erst Sinn verleiht,
dem Unsichtbaren: dem Gefühl. Wenn das Gefühl seinen Ausdruck
schließlich im Physischen findet, wird es uns offensichtlich;
doch ist es nicht etwa so, daß ich von dem Ausdruck auf das Gefühl
schließe ("Aha, das heißt, er mag sie"), sondern
längst bevor ich verstehe, weiß ich "ob er sie mag",
in meinem Gefühl.
Befindet sich im Schauspieler oder zwischen
ihnen in dieser unsichtbaren Welt ein Vakuum, so blickt der Zuschauer
"hinein in einen seelisch leeren Raum", denn nichts findet
er dort, dem sein Gefühl begegnen könnte. Es mag ihn "die
Kunstfertigkeit der Schauspieler beeindrucken ....; doch selbst bleibt
er kalt und unberührt." Sucht der Schauspieler nach den wirklichen
Grundlagen seines Berufes, wird deutlich, daß es nicht ausreichen
kann, wenn er seinen Blick nur auf die äußeren Aspekte seiner
Kunst richtet. So wichtig die äußere Darstellung auch sein
mag, ist sie doch nur ein Teil der Wirklichkeit. Das Wesentliche seiner
Kunst ist dem Anblick verborgen und nur dem Gefühl offenbar. Sucht
der Schauspieler in der in diesem Sinne unsichtbaren Welt nach den Grundlagen
seiner Kunst, wird er sie in seinem Gefühl finden können.
Wenn ich fühle, fühle ich
immer mich selbst. Es kann nicht anders sein; denn alles, was ich empfinde,
erzeugt ja mir Schmerz oder Freude. Im Fühlen nehme ich alles persönlich.
In diesem Sinne reagiert mein Gefühl immer auf die Welt, es erzeugt
nichts. In meinem Gefühl bin ich unschöpferisch. Wie kann
diese Erkenntnis von Nutzen sein für die Kunst des Schauspielers?
Fühlen ist, wie wir gesehen haben,
eine Form von Wahrnehmung. Was meinem Blick vielleicht verborgen ist,
kann mein Gefühl trotzdem empfinden. Richtet man die Aufmerksamkeit
weniger auf den Inhalt, sondern mehr auf diese Eigenschaft des Fühlens,
wird die Rolle, die es in der Kunst des Schauspielers spielt, vielleicht
klarer.
"Ein Nicht-Schauspieler oder ein Mensch, dem künstlerische
Empfindsamkeit fehlt, wird vielleicht gänzlich passiv bleiben in
der Atmosphäre einer ruhigen, mondbeschienenen Nacht. Aber der
Schauspieler, der sich ihr völlig hingibt, wird bald in sich eine
schöpferische Aktivität bemerken."
Die Atmosphäre ist der Teil der
Wirklichkeit, der unsichtbar ist, und für dessen Existenz es keinen
Beweis gibt als das Gefühl selbst. Um wahrzunehmen, daß eine
besondere Atmosphäre herrscht, ist der Inhalt meines Gefühls
ganz gleichgültig. Vielleicht mag ich persönlich überhaupt
keine Mondnächte. Aber abgesehen davon ist es die Eigenschaft meines
Gefühls, daß ich das Vorhandensein der Atmosphäre erfahre,
d.h.: Daß eine bestimmte Atmosphäre die Dinge umgibt, empfinde
ich in meinem Gefühl, auch wenn der Inhalt meines Gefühls
ein solcher ist, daß ich die Atmosphäre nicht mag. So ist
die Beobachtung folgende, daß es die Eigenschaft meines Fühlens
ist, die mich umgebende Welt wahrzunehmen, und daß der Inhalt
des Gefühls mir immer nur etwas über mich selbst erzählt.
Um mit dem eigenen Gefühl schöpferisch
arbeiten zu können, kann der Schauspieler damit beginnen, daß
er die eigene Aufmerksamkeit nicht darauf lenkt, welches Gefühl
eine Erscheinung in ihm erzeugt, sondern darauf, daß er die Erscheinung
im Gefühl wahrzunehmen vermag. So die eigene Persönlichkeit
zu vernachlässigen und ganz dem Fühlen zu folgen, ist Hingabe.
Die "rückhaltlose, unbefangene Hingabe"(8) verwandelt
das rein persönliche Gefühl in ein Fühlen, in dem sich
das Wesen der es umgebenden Welt offenbart. Das Gegenteil der Hingabe
besteht in einem selbstbezogenen Begutachten aller Erscheinungen, so
daß Tschechow bemerkt: "Und wenn Sie sich zur Gewohnheit
machen, alle unnötige Kritik zu unterdrücken, sei es im Leben
oder in Ihrer professionellen Arbeit, werden Sie Ihre Entwicklung beträchtlich
beschleunigen."
Mit Hingabe die Welt betrachtet, begegnet
sie mir in dreifacher Weise:
Einmal trifft sie mich physisch.
Wenn ich davon absehe, ob mir eine physische
Berührung und Empfindung angenehm ist oder nicht und mich ihr hingebe,
fühle ich das Wesen der physischen Welt. In diesem Sinne ist aus
meinem Gefühl ein wesentliches geworden, welches ich zwar durch
mich aber nicht als mich selbst empfinde. Solche Gefühle sind für
Tschechow künstlerisch. Sie bilden in seiner Arbeit die Grundlage,
auf der die Schauspieler die individuellen Gefühle ihrer Charaktere
finden können, ohne "... so zu tun, als fühlten sie etwas
auf der Bühne ... [oder in] ... zahlreichen und erfolglosen Versuchen,
diese oder jene Gefühle aus sich herauszuquetschen."
Das innere Leben steht dem physischen
Körper des Menschen in zwei Weisen gegenüber. Auf der einen
Seite empfängt der Mensch jeden physischen Sinneseindruck mit seiner
Empfindung, auf der anderen Seite bestimmt er jede körperliche
Handlung mit seinem Willen, oder wie Tschechow es ausdrückt: "Sie
können sich nicht befehlen, wirklich traurig oder fröhlich
zu sein ...", doch "... heben Sie Ihren Arm, senken Sie ihn....
Sie haben es ohne Schwierigkeiten getan. Warum? Weil es wie jede Handlung
völlig Ihrem Willen unterliegt." Bezogen auf seinen eigenen
Körper ist der Mensch handelnder und fühlender zugleich; seinen
Willen kann er nur darauf richten, was er tun kann. Will der Schauspieler
daher etwas fühlen, ist ein solches unmöglich, solange er
das Wesen des Fühlens mißversteht, welches ein empfangendes
ist.
Dieses Wesen zieht Tschechow in Betracht,
indem er jedes gefühlsbezogene Arbeiten des Schauspielers auf die
physische Bewegung zurückführt. Einer willentlichen Bewegung
des Schauspielers (wie obiges: "... heben Sie Ihren Arm!")
legt er eine Charakterisierung bei, die er (wie wir schon einmal betrachtet
haben) “Qualität” nennt, so daß der Schauspieler
anstelle von normal sich beispielsweise vorsichtig bewegt. Gibt er sich
der Empfindung hin, welche die Wahrnehmung seiner eigenen Bewegung in
ihm erzeugt, wird er immer ein Gefühl empfangen. Der Inhalt des
Gefühls mag ihn überaschen und "eine vorsichtige Qualität,
um nur ein Beispiel zu geben, mag in Ihnen nicht nur allein ein Gefühl
von Vorsicht erwecken, sondern, je nach den Verhältnissen, die
Ihnen in dem Stück begegenen, eine ganz Skala von Gefühlen,
die dem von Vorsicht verwandt sind."
Was auch immer die Gefühle beinhalten
mögen, sind sie derart, daß sie für den Schauspieler
schöpferisch sind; er selbst ist von ihnen überrascht; sie,
wie alles Unvorhergesehene, tragen in sich die Kraft der Inspiration.
Und läßt man sich schließlich von ihnen ergreifen,
"wird Ihre Übung, Probe oder Vorstellung wahre Inspiration
gefunden haben."
Die Welt trifft den Menschen auf eine
weitere Weise:
Den Eindruck, als dem ihm die Welt durch
seine eigenen Sinne erscheint, nimmt der Mensch in sich hinein und begegnet
ihm dort mit seinem Denken. Zum Sinneseindruck fügt das Denken
den Begriff, die Idee des Wahrgenommenen. Betrachtete ich eine Erscheinung
ohne Gedanken, könnte ich unzusammenhängende Sinneseindrücke
wie hell und dunkel, laut oder leise empfinden, doch nicht die Erscheinung
als solche wahrnehmen.(9) So ist die zweite Art, auf die der Mensch
der Welt begegnet, das Denken. Dem so im Denken Wahrgenommenen begegnet
der Mensch mit seinem Gefühl. Und weil der Mensch vor allem immer
sich selbst fühlt, mag er einige Eindrücke und andere nicht.
Legt man aber wiederum die Aufmerksamkeit nicht auf den Inhalt des jeweiligen
Gefühls, sondern auf das Fühlen an sich, sieht man, wie der
Mensch alle äußeren Erscheinungen auch mit dem Gefühl
wahrnimmt. Ist nun das Denken des Menschen ganz ausgefüllt von
dem Eindruck einer äußeren Erscheinung, werden in seiner
Empfindung die äußere Welt und er selbst eins, und sich selbst
und das Wesen der Dinge zu fühlen, ist ihm dann dasselbe.
Das Hinnehmen eines Eindrucks durch
den Menschen geschieht in dem Falle, daß es von ihm selbst nicht
verhindert wird. Läßt er den Eindruck nicht als solchen gelten,
sondern bewertet ihn, so sieht der Mensch die Erscheinungen im Licht
seiner eigenen Ansichten, statt die Erscheinungen selbst. Somit verrät
das Gefühl, das er bei ihrer Betrachtung empfindet, mehr über
ihn persönlich als über die Dinge. Ein Gefühl, das den
Erscheinungen selbst entspringt, empfindet der Mensch, wenn er sich
völlig von seinen Eindrücken ausfüllen läßt,
d.h., sich ihnen hingibt. Hingabe in der Betrachtung der wirklichen
Welt ist ein weiterer Weg für den Schauspieler zum künstlerischen
Gefühl.
Wie der Schauspieler die äußere
Welt trifft, begegnete ihm ähnlich seine eigene innere Welt: die
Phantasie. Was ihm aus der äußeren Welt als Eindrücke
begegnet, trifft ihn als Vorstellungen in seiner Phantasie. Ihnen hingegeben
und ganz ausgefüllt von den eigenen Schöpfungen der Phantasie,
fühlt der Schauspieler nicht länger sich selbst als getrennt
von den Gestalten seiner Vorstellungswelt, sondern er fühlt ihr
inneres Wesen. In seinem Gefühl sind die Vorstellung und er selbst
eins geworden. Dieses Gefühl wiederum ist, was Tschechow nennt:
ein schöpferisches.
Neben der physischen und gedanklichen
Wirklichkeit der Welt begegnet der Mensch in ihr noch etwas, was sich
seinen Sinnen entzieht. Es ist das Unsichtbare, das der Mensch in den
Phänomenen und Ereignissen ahnt, empfindet und dessen Existenz
er zuweilen als eine Wirklichkeit fühlt. Dies ist, was Tschechow
die Atmosphäre oder Stimmungen der Erscheinungen nennt. In ihnen
empfindet der Mensch das die Dinge umgebende Leben; ohne sie erschiene
ihm die Welt “kalt und mechanisch”.
Anders als ein physischer Sinneseindruck
drängen sich die Stimmungen der Welt
dem Menschen nicht auf. Doch er lebt in ihnen und ist Teil von ihnen,
auch wenn er sie nicht wahrnimmt. Er kann sich, ohne es selbst zu bemerken,
"in Harmonie mit ihnen bewegen und sprechen, sich ihnen hingeben,
gegen sie kämpfen [...], empfindsam oder gleichgültig ihnen
gegenüber sein."
In allem, was ich fühle, empfinde
ich meine Trennung vom anderen Menschen. Niemand anders denn ich kann
meinen Schmerz und meine Freude fühlen; in seinem Gefühl ist
jeder allein. Das trifft auch im Hinblick auf die mich umgebenden Stimmungen
zu: Wenn ich sie empfinde, dann bezogen auf mich. Doch gibt es hinsichtlich
der Stimmung eine Besonderheit: Sie existiert außerhalb meines
Gefühls, aber ich kann sie einzig durch mein eigenes Fühlen
wahrnehmen; sie ist jeder anderen Sinneswahrnehmung verschlossen. So
liegt in meinem subjektiven Gefühl, das mir nur über mich
selbst erzählt, der Schlüssel zu der Empfindung dessen, was
mich als objektives Gefühl mit den Dingen und anderen Menschen
eint: der Stimmung. Die Möglichkeit, die Atmosphäre oder Stimmung
in ihrer Objektivität zu erfassen, d.h. in ihrer Form, in der sie
auch ohne mich, den Betrachter, existiert, liegt in der eigenen Hingabe;
diesen Gedanken haben wir bereits behandelt.
Während den Menschen im Leben jede
Stimmung ohne sein bewußtes Zutun trifft, ist in der illusionären
Welt des Theaters diese nicht so ohne weiteres gegeben. Denn naturgemäß
sind die Schauspieler auf der Bühne voneinander getrennt. Persönlich
sind sie einander nicht verbunden. Das, was sie eint, ist ihre Phantasie.
Arbeiten sie an ihren individuellen Figuren, verbinden sie sich durch
die ihnen gegebene Situation des Stückes in ihrer Vorstellungswelt.
Diese Verbindung ist ein Gedanke. Leben erhält das Theater durch
Gefühle. Gerade Gefühle sind aber doch dergestalt, daß
sie Menschen und daher auch Schauspieler, voneinander trennen, da sie
einen jeden auf sich selbst zurückwerfen. Wie kann aus der vereinzelten
Isolierung die gemeinsame Vorstellung, der Gedanke des Stückes
Leben erhalten? Er kann es nicht. Es sei denn, die Schauspieler richteten
ihr Empfinden auf etwas Gemeinsames außerhalb ihrer selbst. Dieses
etwas ist die Stimmung des Stückes.
Indem er dem Einfluß der Stimmungen
im Leben und Theater Aufmerksamkeit gibt, entwickelt Tschechow eine
Arbeitsweise des Schauspielensembles, in der die Schauspieler nicht
nur ihre eigenen Rollen, sondern auch die unsichtbare, aber dem Zuschauer
fühlbare Dimension des gemeinsamen Stückes entwickeln können.
Ohne diese Dimension bliebe ihre Arbeit trotz bewegender individueller
Gefühle als Gesamtes gefühllos.
Tschechow sucht nach den Gesetzmäßigkeiten,
nach denen die unsichtbare Stimmung als das “Herz des Theaters”
zwischen den Schauspielern zu leben beginnt. Die Gesetze, denen Tschechow
in dieser Arbeit begegnet, faßt er in vier Prinzipien:
Im Theater gibt es nicht nur Sichtbares.
Und nicht allein das Verstehen ist seine Domäne, sondern "die
Sphäre der Kunst ist vor allem die Sphäre des Gefühls".
So erlebt der Zuschauer eine Aufführung im besten Fall nicht in
seinem Intellekt, sondern er empfindet sie mit seinem ganzen Wesen.
Wie er die Idee und Handlung des Stückes versteht, fühlt er
zwei andere Umstände: Das erste sind die individuellen Gefühle
der Schauspieler in der Darstellung ihrer Figuren; das zweite sind die
Stimmungen, welche die unterschiedlichen Situationen und Ereignisse
des Stückes umgeben. Indem ein Zuschauer neben der äußerlichen
Darstellung das Gefühl eines Charakters empfindet, kann er mit
ihm mitfühlen; und indem er die Stimmung im Stück empfindet,
kann er es miterleben. Er beobachtet "es nicht länger von
fern, sondern ... antwortet mit Wogen von Gefühl und Vertrauen."
Die Stimmung ist, was im Theater als unsichtbares “starkes Band”
die Menschen im Fühlen verbindet.
In der “gegenseitigen Beziehung
zwischen Zuschauer und Schauspieler”, die aus ihr entsteht, kann
letzterer, so er auf sie eingeht, seine Inspiration finden: "Sie
brauchen sich nicht mehr ängstlich an den Klischees der gestrigen
Vorstellung festzuhalten. Die Stimmung, die [...] den Raum um Sie herum
erfüllt, wird in Ihnen immer neue Gefühle und frische schöpferische
Impulse wecken und bestehen lassen." Die lebendige Wechselwirkung
zwischen Bühne und Publikum, die in dieser Weise besteht, beschreibt
das erste Prinzip in Tschechows Arbeit.
Eine Stimmung entsteht, wie alles andere
in der Kunst des Schauspielers, aus dem Fiktiven, aus der Phantasie.
"Was ist unsere Kunst anderes als eine wunderschöne, auf unsere
schöpferische Phantasie gebaute «Fiktion»?", fragt
Tschechow und arbeitet in seiner Schauspielmethode mit den Stimmungen
nicht anders als mit den Schöpfungen der eigenen Figur in der Phantasie
des Spielers. Doch ist ein wesentlicher Unterschied, daß alle
Schauspieler ihre Phantasie auf eine gemeinsame Stimmung richten und
so in ihrer Empfindung das Leben der Situation schaffen, in der sich
ihre Figuren gleichzeitig befinden. Die Stimmung ist diejenige, die
alle Schauspieler teilen, auch wenn ihre Figuren in den ihnen zugehörigen
individuellen Gefühlen unterschiedlich reagieren sollten.
Dieses führt zu den übrigen
Prinzipien in Tschechows Arbeit, wobei das zweite Prinzip die Unmöglichkeit
bezeichnet, daß zwei verschiedene Stimmungen gleichzeitig (auf
der Bühne) existieren könnten: In dem von ihr durchdrungenen
Raum ist die Stimmung dasjenige, was der Mensch als unsichtbaren Teil
der Wirklichkeit empfinden kann. Dringt in diesen eine zweite, entgegengesetzte
Stimmung ein, entsteht Konflikt. Es können nicht zwei Wirklichkeiten
gleichzeitig existieren. Eine von beiden muß unweigerlich den
Kampf verlieren; "die stärkere Atmosphäre besiegt zwangsläufig
die schwächere ...".
Die letzten beiden Prinzipien gehen aus der Beobachtung hervor, daß
eine vorherrschende Stimmung den Schauspieler zum individuellen Gefühl
seiner Figur führen kann:
Die Existenz einer Stimmung auf der
Bühne hängt ab von ihrer Empfindung durch den Schauspieler.
Für denselben kann diese Empfindung zwei Auswirkungen haben: Einmal
kann der Schauspieler sich der von ihm erschaffenen Stimmung überlassen
und sich so von ihr zu Gefühlen tragen lassen, die in Harmonie
mit ihr in ihm entstehen werden: "... machen Sie eine kleine Bewegung
mit Arm und Hand. Achten Sie darauf, daß die Bewegung sich in
Harmonie mit der Sie umgebenden Stimmung befindet." Wieder nimmt
Tschechow seinen Anfang in der Bewegung und läßt diese den
Schauspieler auf künstlerische Weise zu seinem Gefühl führen.
Im Vorhergehenden wurde dieser Weg bereits genauer beschrieben.
Bei aller Arbeit mit den Stimmungen
geht es Tschechow nie darum, daß der Schauspieler die Stimmung
spielt. Die Stimmung ist dem Zuschauer immer unsichtbar; und Wirklichkeit
erlangt sie nur, wenn sie zwischen den Schauspielern in deren Vorstellung
und Empfindung lebt. Um diese Lebendigkeit geht es Tschechow, nicht
um die äußerliche Darstellung. Ist die wie auch immer geartete
Stimmung auf der Bühne eine lebendige, liegt in ihr die Möglichkeit,
den Schauspieler zu Gefühlen zu inspirieren, die sich mit ihr in
Harmonie befinden. Dies ist das dritte Prinzip.
Eine weitere Wirkung hat eine Stimmung
in dem Fall, daß der Schauspieler beginnt, "mit ihr zu kämpfen
und versucht, Gefühle zu entwickeln und zu behaupten, die der Stimmung
entgegengesetzt sind." Hierin besteht das Wesen des vierten Prinzips
in Tschechows Arbeitsweise: Die Stimmung der Szene und die individuellen
Gefühle der in ihr handelnden Charaktere beeinflussen sich, existieren
aber letztlich unabhängig voneinander.
Die Stimmung ist das Leben der Situation,
das alle Charaktere teilen. Indem der Schauspieler der Stimmung seine
Aufmerksamkeit und seine eigene Empfindung leiht, beginnt sie zu existieren
und wird für die Situation auf der Bühne Realität. Die
Schauspieler teilen diese gemeinsam mit der inneren Realität ihrer
Figuren. Es befindet sich die Figur mit ihrem inneren Leben in dem äußeren
Leben der Situation. Die objektive Stimmung der Situation und das subjektive
Gefühl des Charakters bestehen gleichzeitig und beeinflussen sich.
Läßt der Schauspieler nun seine Figur gegen die Stimmung
kämpfen, ist es wiederum letztere, welche ihn zu künstlerischen
Gefühlen führt, nicht aus Harmonie diesmal, sondern aus Konflikt.
Das Wesentliche ist jedoch, daß der Schauspieler die Stimmung,
um gegen sie zu kämpfen, voll in ihrer Existenz annimmt. Und solange
sie für ihn Wirklichkeit auf der Bühne hat, wird sie nicht
aufhören, ihn und seine Mitspieler zu inspirieren.
In diesen vier Prinzipien hat Tschechow gezeigt, daß die Kunst
des Schauspielers nicht nur auf Gesetzen beruht, die jeden Schauspieler
selbst betreffen, und mit denen er sich allein auseinandersetzen könnte,
sondern daß eine unsichtbare Wirklichkeit im Theater zwischen
den Menschen lebt. Sie zu entdecken und zu entwickeln, ist nicht mehr
dem Einzelnen überlassen, sondern dies zu tun, braucht es ein Ensemble.
Ein Ensemble individueller Schauspieler, in dem jeder die "individuelle
Existenz eines jeden hoch schätzt, und die einzelnen [Schauspieler]
... nicht ihre Identität verlieren", vermag die unsichtbare
Wirklichkeit des Theaters zu erschaffen, die für Tschechow die
"Seele des Theaters ... und jeder Schöpfung der Kunst"
ist.
In unserer Zeit, von der er sagt, sie
sei ein "trockenes, intellektuelles Zeitalter, in dem wir uns unserer
gegenseitigen Gefühle schämen", sieht Michael Tschechow,
wie "die Künste, und im besonderen das Theater, sich langsam
dem Tod nähern werden [...]. Die große Mission des Schauspielers
genauso wie des Regisseurs und des Theaterschriftstellers ist es, die
Seele des Theaters zu bewahren und mit ihr die Zukunft unseres Berufes."
Seelische Geste(10)
Das Theaterstück beginnt mit dem geschriebenen Wort. Dieses ist
leblos und ohne Bedeutung. Erst, wenn der Mensch und Schauspieler ihm
im Lesen mit seiner Phantasie und Empfindung begegnet, nimmt es in ihm
Leben und Sinn an. Doch ist dieses Erlebnis allein das des Menschen
selbst; es ist ihm ein inneres, und er teilt es mit niemandem. Eigenart
des Schauspielers ist es, dieses innere Erleben darstellen zu wollen.
Damit entsteht in ihm die Notwendigkeit zu handeln. Die jeder Handlung
unterliegende und notwendige innere Kraft nennt Tschechow den Willen
des Menschen.
Dem eigenen Willen als Phänomen
begegnet der Mensch in der Tatsache, daß er selber vermag, "auszuführen,
was in seinen Gedanken liegt".(11) Ohne Willen wäre der Mensch
ein Wesen, dessen einziges Vermögen es wäre, die Welt in Empfindungen
und Gedanken aufnehmen zu können. Durch seinen Willen setzt der
Mensch allen Einflüssen, die ihn treffen, etwas entgegen: seine
eigene Tat. Wie das Fühlen und Denken ist das Wollen eine Fähigkeit,
die der Mensch als ihm angehörend vorfindet. Die Motive seines
Wollens mag er in seinen eigenen Gedanken und Gefühlen finden,
doch geben sie ihm keine Erklärung über den Willen selber;
ihm unerklärlich existiert sein Vermögen, nach eigener Maßgabe
zu handeln. Richtet der Schauspieler seine Aufmerksamkeit nicht so sehr
auf die Gründe seines Wollens, sondern auf die Sonderbarkeit des
Phänomens selber, wird deutlich, worin dessen Bedeutung für
seine Kunst liegt. Das Wesen des Wollens ist die Tat. “Bewegung
(Handlung, Geste, Gebärde)” ohne Willen ist unmöglich.
Die Fähigkeit, mich bewegen zu können, ist mein Wille. Hieraus
ergibt sich ein einfaches Prinzip, das Tschechow seiner Arbeit zugrunde
legt: Die Art meiner Bewegung beschreibt mir die Art meines Willens.
Gebe ich ihr meine Aufmerksamkeit, so ist die Wahrnehmung meines eigenen
Willens erwacht.
Um eine Figur spielen zu können,
reicht es dem Schauspieler nicht, über sie zu wissen. Als derjenige,
der sie darstellen will, "mögen Sie nur allzu genau wissen,
welches die Gefühle und Motive Ihrer Rolle sind, aber dieses Wissen
allein befähigte Sie nicht, wirklich aus diesen Motiven heraus
zu handeln oder jene Gefühle ehrlich auf der Bühne zu erleben."
Dies zu tun, braucht der Schauspieler seinen Willen. Genauer gesagt,
braucht er den Willen seiner Figur. Aller Wille wirkt aus einem Motiv.
Dieses entsteht im inneren Leben des Menschen aus Vorstellungen und
Gefühlen als “Wunsch, Begierde, Verlangen, ... usw.”.
Als Mensch hat der Schauspieler seine eigenen Wünsche und Motivationen;
doch als Künstler sind diese ihm unbedeutend, so es ihm darum geht,
nicht dem Publikum mit jeder Vorstellung “sein eigenes Selbstportrait”
darzustellen, sondern in das Leben und die Motive seiner Figur einzudringen,
um sie portraitieren zu können. Dieses vermag er dadurch, daß
er seine Aufmerksamkeit nicht auf den Inhalt seines eigenen Willens
richtet, sondern auf das Wesen desselben. Das Wesen seines Willens findet
er in der Bewegung. Eine Bewegung, die Ausdruck des Willens ist, nennt
Tschechow eine Geste.
"Es gibt zwei Sorten von Gesten.
Eine, die wir sowohl im alltäglichen Leben als auch in unserer
Darstellung auf der Bühne benützen: die natürliche und
gewöhnliche Geste. Die andere Sorte ist eine solche, daß
sie das «Urbild» einer Geste genannt werden könnte;
sie ist dergestalt, daß sie als originales Modell für alle
möglichen Gesten derselben Art dient." In den gewöhnlichen
Alltagsgesten drückt sich der Wille in einer “beschränkten,
... schwachen, ... speziellen” Form aus, da nur Fragmente des
Körpers an der Bewegung teilhaben: im, beispielsweise, drohend
erhobenen Zeigefinger. In der Urform einer Geste, die nicht die alltägliche
Beschränkung und damit Natürlichkeit achtet, sondern den ganzen
Körper in Besitz nimmt, kann der Wille in seiner ganzen Intensität
existieren und "Körper und Psychologie" des Schauspielers
ausfüllen. So daß dieser sich, um beim Beispiel zu bleiben,
mit seinem ganzen Wesen drohend erhebt. Eine solche nennt Tschechow
eine psychische oder seelische Geste.
Ihre Aufgabe in der Arbeit des Schauspielers
ist auf keinen Fall die Darstellung des Handelns seiner Figur auf der
Bühne. Im Gegenteil ist sie der Form des schauspielerischen Ausdrucks
völlig unangemessen; doch liegt ihr Wesen darin, daß sie
den Schauspieler willentlich das seelische Erleben in der Bewegung finden
läßt: "Die Stärke einer Bewegung erweckt unsere
Willenskraft an sich; die Art der Bewegung erschafft in uns ein entsprechendes,
bestimmtes Verlangen, und die Qualität derselben Bewegung läßt
in uns Gefühle entstehen." So findet ein Schauspieler statt
eines "analytischen Wissens" über seine Figur in der
psychischen Geste einen Weg zu ihr, der ihn nicht in seinem eigenen
"kalten und abstrakten ... Verstand" beläßt, sondern
ihn sie erleben läßt. In der seelischen Geste ergreift er
das "Essentielle seiner Figur" mit seinem ganzen Wesen statt
mit seinem Verstand allein.
Alle Schöpfung im Theater hat ihren
Anfang im Nichts. Der Schauspieler kennt seine Figur nicht und steht
ihren Empfindungen, Wünschen und Gedanken, von welchen er "vielleicht
bloß eine Ahnung" hat, als ein völlig Fremder gegenüber.
Mit dieser Ahnung beginnt für Tschechow die Kunst des Schauspielers.
Aus ihr heraus kann er sich an die innere Wirklichkeit seiner Figur
herantasten. "... Schritt für Schritt, benutzen Sie zuerst
nur Hand und Arm. Vielleicht werfen Sie sie nach vorn, aggressiv mit
geballten Fäusten, ... oder Sie mögen sie langsam und vorsichtig
ausstrecken, mit Zurückhaltung und Vorsicht, ... oder eventuell
heben Sie beide Ihre Hände und Arme aufwärts, leicht und mühelos
mit offener Handfläche, ... oder sie wollen sie senken, grob und
die Handfläche zur Erde gedreht, mit gekrümmten klauenhaften
Fingern, ...", bis sich aus seiner Ahnung und suchenden Bewegung
die seelische Geste ergibt, die "seinen Willen [und] seine Gefühle
erweckt", ihn inspiriert und künstlerisch befriedigt. Dann
enthüllt sie ihm "die gesamte Figur in verdichteter Form;
in ihr besitzt [der Schauspieler] ... ihren unveränderlichen Kern".
Die seelische Geste ist nie Mittel des
Ausdrucks auf der Bühne; sie ist das Arbeitsmittel des Schauspielers
im Finden seiner Figur. Auf der Bühne befindet sich der Schauspieler
in der Ästhetik der Inszenierung, und das Maß seines Ausdrucks
ist ihm durch den Stil des Stückes und seines Regisseurs gesetzt.
Doch das diesem Ausdruck unterliegende Leben kann er in der seelischen
Geste finden, die in ihrem Ausdruck keine Beschränkung anerkennt.
"Sie ist Ihre eigene, freie Schöpfung, durch die sich Ihre
Individualität ausdrückt." Während in der Theaterarbeit
der Regisseur dem Schauspieler eine äußere Form zu setzen
vermag, sind Form und Inhalt der seelischen Geste eins: "die Substanz
der Figur".
Wer könnte "mir sagen, ... ob es die richtige ist?"
"Niemand als Sie selbst."
Abschließende Gedanken(12)
"Leute mögen ... stolz lächeln und sagen:
Inspiration kann nicht kleinlich gelehrt werden;
sie ist die natürliche Gabe des Genies."
(Rudolf Steiner)(13)
"Das Hauptziel all meiner Forschungen war,
jene Bedingungen zu finden, die am besten ...
dieses flüchtige Phänomen herbeirufen könnten,
das man Inspiration nennt."
(Michael Tschechow)
Begegnet der Mensch auf seinem Weg einem Hindernis, gibt es für
ihn offensichtlich zwei Möglichkeiten: Entweder er überwindet
es, oder er hält an.
Alle Hindernisse in der physischen Welt
sind ziemlich deutlich, und der Mensch vermag sie zu überwinden,
so es in seinem Vermögen liegt, wenn er die ihr innewohnende Gesetzmäßigkeit
durchschaut hat. Die Welt des Schauspielers nun ist anderer Natur. Zwar
findet sie ihren Ausdruck im Physischen, doch ist ihr Ursprung ein anderer.
Alles, was der Handlung auf der Bühne Sinn und Bedeutung gibt,
liegt, wie wir betrachtet haben, im Unsichtbaren. In der nicht physischen
Realität des Menschen, die man eine psychische oder seelische nennen
könnte, liegen Quelle und Wesen der Kunst des Schauspielers. Die
Hindernisse, die ihm dort in dieser seinen Sinnen unsichtbaren Welt
begegnen, sind ihm verborgen. Sie erscheinen ihm nur in ihrer Wirkung.
Inspiration und mit ihr sein eigenes Talent zu verlieren, ist eine dieser
Wirkungen. Erfindungsreich scheint der Mensch in diesen Fällen
Techniken zu entwickeln, um solche Störungen, die ihn wie aus dem
Nichts treffen, zu beseitigen oder zu umgehen.
Ich sehe zwei prinzipielle Möglichkeiten
für eine sogenannte Technik:
Die erste sieht das Hindernis, das dem
Schauspieler begegnet, als sein Problem, isoliert es und versucht, es
zu beseitigen. Eine solche will ich eine "Technologie"(14)
nennen.
Die zweite richtet ihren Blick auf die Gesamtheit, aus der ihr das Hindernis
begegnet. Im Falle des Schauspielers bedeutet dies: auf das Wesen des
Menschen selber. Ergeben sich aus dieser Betrachtung Prinzipien, ist
der Mensch auf dem Wege, die Gesetzmäßigkeiten jener ihm
unsichtbaren Welt zu erfassen, so daß sich ihm die Hindernisse
aus seiner Erkenntnis heraus auflösen. Eine solche will ich mit
Michael Tschechow eine "Objektive Technik" nennen.
Nun ergeben sich zwei Fragen:
Existiert die Möglichkeit, eine
solche objektive Technik der Schauspielkunst überhaupt zu entwickeln?
Kann man von Tschechows Arbeit sagen,
sie stelle diese objektive Technik dar?
Die erste Frage hat ihre Wurzel in der
Überlegung, ob der Mensch überhaupt objektiv über etwas
wissen kann, das, wenn es auch existiert, seinen Blicken verborgen ist;
oder ob es im Wissen eine Grenze gibt, deren Überschreitung ihm
unmöglich ist. Bleibt alles, was er über Realitäten erlebt,
die unsichtbarer oder seelischer Natur sind, seine persönliche
Erfahrung, die zusammenhanglos neben den Erfahrungen aller übrigen
Menschen steht?
Über die zweite Frage kann man
sagen, daß Tschechow seine "Technik des Schauspielers"
in ihrer praktischen Gestaltung aus Prinzipien entwickelt hat, von denen
ich diejenigen, die mir am essentiellsten scheinen, in dieser Arbeit
behandelt habe. Findet man in diesen Prinzipien eine objektive Gültigkeit,
wird die spezielle Form, die Tschechow der Technik in seinen Übungen
gegeben hat, eher unwesentlich. Die Form ist der Weg, auf dem Tschechow
seine Entdeckungen ausgedrückt hat. Die Entdeckungen selbst sind
es, die eine Bedeutung für den heutigen Schauspieler haben. Oder
nicht.
Auf beide Fragen eine Antwort zu geben,
die nicht allein Ausdruck einer persönlichen Meinung ist, kann
nur möglich sein, wenn man in seiner eigenen Erfahrung nach ihr
sucht.
In diesem Sinn möchte ich die Arbeit
mit den Worten Stanislawskis aus dem Munde Tschechows schließen:
"Ordne deine Gedanken über
die Technik des Schauspielers und schreibe sie auf", sagte mir
Stanislawski, "es ist deine Pflicht und die Pflicht eines jeden,
der das Theater liebt und ... auf dessen Zukunft blickt."
BIBLIOGRAPHIE
Alle Zitate sind Übersetzungen
des Autors (R.F).
ERSTER TEIL
(1) The Drama Review, Mel Gordon, Michael
Chekhov's Life and Work, Vol. 27, No. 3 (T99), Fall 1983
(2) Michael Chekhov, Life and Encounter, 1944
(3) Lendley C. Black, Michael Chekhov as Actor, Director and Teacher,
Kansas 1984
(4) ebenda
(5) ebenda
(6) Marc Slonim, Russian Theatre from the Empire to the Soviets, New
York, 1962
(7) Pavel Markov, The First Studio, 1925
(8) Michael Chekhov, Path of the Actor, 1928
(9) Black, Michael Chekhov as Actor, Director and Teacher
(10) Gorchakow, Theatre in Soviet Russia
(11) ebenda
(12) Rudolf Steiner, Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen
Weltanschauung, 1886
(13) Black, M. Chekhov as Actor, Director and Teacher
(14) ebenda
(15) Michael Chekhov, Life and Encounter, 1944
(16) Michael Chekhov, To the Director and Playwright, 1963
(17) Black, M. Chekhov as Actor, Director and Teacher
(18) ebenda
(19) ebenda
(20) The Drama Review, M. Gordon, Michael Chekhov's Life and Work, Vol.
27, Fall 1983
(21) Black, M. Chekhov as Actor, Director and Teacher
(22) Michael Chekhov Theatre Studio, Ridgefield, Conn.: The Chekhov
Theatre Review, 1939
(23) Brooks Atkinson, The Possessed, N.Y. Times, 25.10.1939
(24) Black, M. Chekhov as Actor, Director and Teacher
(25) ebenda
ZWEITER TEIL
(1) zitiert nach: Rudolf Steiner, Grundlinien
einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung, 1886
(2) Michael Chekhov, To The Actor, N.Y., 1953
The Actor’s Body and Psychology
(3) zu weiterführenden Betrachtungen: siehe (1)
(4) Michael Chekhov, To the Actor, N.Y., 1953
The Creative Individuality
(5) Rudolf Steiner, Theosophie, 1904
(6) Michael Chekhov, To the Actor, N.Y., 1953
Images and the Incorporation of Images
(7) ebenda
Atmosphere and Individual Feelings
(8) Rudolf Steiner, Theosophie, 1904, Seite 137
(9) Rudolf Steiner, Die Philosophie der Freiheit, 1894
(10) Michael Chekhov, To the Actor, N.Y., 1953
The Psychological Gesture
(11) Rudolf Steiner, The Theory of Knowledge, Spring Valley, N.Y., 1978,
Seite 110
(12) Michael Chekhov, To the Actor, N.Y., 1953
Concluding Thoughts
(13) Rudolf Steiner, Stages of Higher Knowledge, Spring Valley, N.Y.,
1981, Seite 41
(14) Charles Ferland, Ottawa, Fall 1996
(Ragnar Freidank)